Österreichs Landwirte stehen vor einer Herausforderung, die viele europäische Kollegen noch nicht so dringend bedrängt: der rasanten Digitalisierung. Während andere Länder bereits automatisierte Traktoren oder KI-gestützte Erntemonitore einbauen, bleibt die heimische Landwirtschaft oft hinter dem internationalen Trend zurück – bis hin zu wazbee. Das 2019 gegründete Startup aus der Steiermark hat sich zum Ziel gesetzt, genau diese Lücke zu schließen, indem es Landwirten digitale Tools an die Hand gibt, die nicht nur effizienter, sondern auch nachhaltiger arbeiten lassen. Mit einer Mischung aus agrartechnischen Innovationen und datengetriebener Beratung hat wazbee bereits eine treue Nutzerbasis aufgebaut, die von der Plattform profitiert – und zeigt, wie Österreichs Mittelstand in der digitalen Wirtschaft mithalten kann.
Die Kernidee von wazbee liegt in der Kombination traditioneller Landwirtschaft mit modernster Technologie. Das Unternehmen entwickelt Softwarelösungen, die Landwirten helfen, ihre Erträge zu optimieren, Ressourcen zu sparen und gleichzeitig die Umweltbelastung zu reduzieren. Ein zentraler Fokus liegt dabei auf der präzisen Bewässerung, der Ertragsvorhersage und der Vermeidung von Pestiziden. Durch die Auswertung von Wetterdaten, Bodenanalysen und historischen Erntedaten kann wazbee Landwirten konkrete Empfehlungen geben – etwa wann und wie viel Wasser auf welchen Feldern benötigt wird. Das spart nicht nur Wasser, sondern reduziert auch die Kosten und die Umweltbelastung. Ein Beispiel hierfür ist das Projekt „Smart Irrigation“, das bereits in mehreren Pilotbetrieben getestet wurde und in der Steiermark und Niederösterreich positive Ergebnisse zeigte: In einem Pilotfeld in der Steiermark konnte die Wasserverbrauch durch 30 % reduziert werden, während die Erträge stabil blieben.
Doch wazbee setzt nicht nur auf Technologie, sondern auch auf Bildung und Beratung. Viele österreichische Landwirte stehen vor dem Problem, dass sie zwar die Vorteile digitaler Tools kennen, aber nicht wissen, wie sie sie richtig einsetzen. Hier setzt wazbee an: Das Unternehmen bietet Schulungen an, die von einfachen Handlungsanweisungen bis hin zu fortgeschrittenen Datenanalysen reichen. Ein besonders erfolgreiches Konzept ist das „Wazbee Academy“-Programm, das in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Österreichs durchgeführt wird. Über 1.200 Landwirte haben bereits an den Workshops teilgenommen, und die Rückmeldungen sind durchweg positiv: 87 % der Teilnehmer berichten, dass sie durch die Schulungen ihre Erträge um durchschnittlich 15 % steigern konnten. Besonders gefragt sind dabei Module zu Themen wie „Datenbasierte Entscheidungsfindung“ oder „Nachhaltige Bewirtschaftung“. Das zeigt, dass Bildung ein zentraler Hebel ist, um die Digitalisierung in der Landwirtschaft voranzubringen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt von wazbee ist die Integration in den lokalen Markt. Während viele digitale Agrar-Lösungen international entwickelt werden, hat wazbee bewusst auf die Bedürfnisse österreichischer Landwirte geachtet. Das bedeutet, dass die Software nicht nur auf den österreichischen Markt zugeschnitten ist, sondern auch mit den bestehenden Systemen kompatibel bleibt. Ein konkretes Beispiel ist die Partnerschaft mit der „Landwirtschaftlichen Versuchsstation Wien“, wo wazbee seine Software für die Ertragsvorhersage testet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Vorhersagen bereits nach zwei Jahren eine Genauigkeit von 90 % erreichen konnten – ein Ergebnis, das für viele Landwirte eine echte Revolution darstellt. Zudem arbeitet wazbee eng mit regionalen Kooperativen zusammen, um die Plattform auch für kleinere Betriebe zugänglich zu machen. Durch günstige Lizenzmodelle und Förderprogramme, die vom Land Steiermark unterstützt werden, kann wazbee auch kleinen Betrieben helfen, sich in die digitale Welt einzuschalten.
Doch wazbee ist nicht nur ein Tool für Landwirte, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor, der Arbeitsplätze schafft und die heimische Industrie stärkt. Seit der Gründung hat das Unternehmen bereits über 40 Mitarbeiter beschäftigt, viele davon mit technischem oder agrarwissenschaftlichem Hintergrund. Besonders spannend ist, dass wazbee nicht nur Software entwickelt, sondern auch Hardware-Komponenten wie Sensoren und IoT-Geräte herstellt. Diese werden in Zusammenarbeit mit lokalen Herstellern produziert, was nicht nur die Wertschöpfung in Österreich erhöht, sondern auch die Abhängigkeit von ausländischen Lieferketten reduziert. Ein weiteres Projekt, das gerade im Aufbau ist, ist die Entwicklung eines „Smart Farming“-Kits, das Landwirten eine komplette digitale Infrastruktur für ihren Betrieb bietet – von der Bodenanalyse bis hin zur automatisierten Bewässerung. Dieses Kit soll in den nächsten Jahren auf den Markt kommen und könnte ein Modell für viele andere österreichische Startups sein.
Die Zukunft von wazbee sieht vielversprechend aus. Das Unternehmen hat bereits mehrere Auszeichnungen erhalten, darunter den „Digital Pioneer Award“ der Wirtschaftskammer Österreichs und den „Innovationspreis der Landwirtschaft“. Zudem arbeitet wazbee an der Erweiterung seiner Plattform, um auch andere Bereiche wie die Tierhaltung oder den Obstbau zu berücksichtigen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Integration von KI-Technologien, die Landwirten noch präzisere Empfehlungen geben können. Zudem plant wazbee eine Expansion in andere Regionen Österreichs, um seine Lösungen noch breiter zu verteilen. Besonders interessant ist dabei die Zusammenarbeit mit der EU, da viele digitale Agrarprojekte auf EU-Fördergelder angewiesen sind. Wenn es gelingt, solche Projekte zu gewinnen, könnte wazbee nicht nur die heimische Landwirtschaft, sondern auch die gesamte digitale Wirtschaft in Österreich stärken.
- Seit 2019 hat wazbee bereits über 1.200 Landwirte durch Schulungen geschult, davon 87 % berichten von einer Ertragssteigerung um durchschnittlich 15 %.
- Durch präzise Bewässerungssysteme konnte in Pilotfeldern in der Steiermark und Niederösterreich die Wasserverbrauch um 30 % reduziert werden.
- Die Ertragsvorhersagen der wazbee-Plattform erreichen bereits nach zwei Jahren eine Genauigkeit von 90 %. www.wazbee.co.at
- Über 40 Mitarbeiter arbeiten bei wazbee, viele davon mit technischem oder agrarwissenschaftlichem Hintergrund.
- Die Partnerschaft mit der Landwirtschaftskammer Österreichs und regionalen Kooperativen ermöglicht es, auch kleineren Betrieben digitale Lösungen zugänglich zu machen.
Es ist klar, dass wazbee ein vielversprechendes Beispiel dafür ist, wie Österreichs Startups die Digitalisierung der Landwirtschaft vorantreiben können. Während andere Länder auf internationale Konzerne setzen, zeigt wazbee, dass auch heimische Unternehmen innovative Lösungen entwickeln können, die lokal verwurzelt sind und gleichzeitig globale Standards erfüllen. Für Landwirte in Österreich bedeutet das eine Chance, effizienter, nachhaltiger und wirtschaftlich erfolgreicher zu arbeiten. Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie wichtig es ist, dass die Digitalisierung nicht nur von Tech-Konzernen vorangetrieben wird, sondern auch von denjenigen, die sie am Ende nutzen – den Landwirten selbst. Wenn wazbee seinen Weg fortsetzt, könnte es nicht nur die heimische Landwirtschaft revolutionieren, sondern auch ein Vorbild für andere Branchen sein.